004 Ein paar Tage in der Werft

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Ein etwas anderes Erlebnis

Der Aufenthalt in der Werft, ich sage es euch, das war ein Erlebnis wert. Auch wenn wir jetzt total kaputt, zerstochen von den vielen Moskitos und schmutzig von oben bis unten sind, sind wir doch auch sehr stolz auf uns, was wir die letzte Woche so alles geleistet haben… Aber jetzt von Anfang an…

Termin zum Kranen

Dienstag, 13 Oktober. Unser Termin zum Kranen wurde von 8.00 Uhr am Vormittag auf 13.30 Uhr am Nachmittag verlegt. So hatten wir am Morgen genug Zeit und konnten alles in Ruhe vorbereiten. Dazu gehörte das Herrichten der Festmacherleinen, der Fender und weitere Vorkehrungen, die beim Kranen der Sicherheit dienen. Zudem machten wir uns schlau, welcher Weg am besten durch die vielen ankernden Schiffe und die unzähligen Untiefen zur Werft führt.

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Das alles klappte ohne Probleme und pünktlich lagen wir am Steg der Werft. Nur war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst, dass auf Martinique die Uhren etwas langsamer ticken. So störten wir die netten Herren der Werft direkt bei ihrer Mittagspause und auch ein Katamaran, der derzeit am Kranen hing hatte noch Vorrang, um ins Wasser zu kommen. Da wir eh nichts anders außer Arbeiten vorhatten, nutzen wir die Zeit für eine kleine Pause an Bord.

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Gegen 15.00 Uhr wurden wir aus dem Wasser gekrant und schon ging die Arbeit los. Alle Muscheln, Algen und weitere Meeresbewohner die am Schiffsrumpf klebten mussten abgespachtelt werden. Gesagt getan. Zusammen waren wir in kurzer Zeit fertig. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welch penetranter Geruch einem dabei von den Meerestieren in die Nase steigt.

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Zu diesem Zeitpunkt muss ich erwähnen, dass anschließend eigentlich unser Boot mit einem Dampfreiniger abgespritzt werden sollte. Wir konnten allerdings Keinen finden, der noch nicht im wohlverdienten Feierabend war und somit wurde unser Schiff nicht abgedampft. Später dazu mehr…

Die Arbeit geht los…

Am Mittwoch wollten wir direkt loslegen und die Stellen am Rumpf, an denen die Farbe nicht mehr gut hielt, abkratzen, säubern, neu grundieren, um danach den Rumpf mit neuem Anti Fouling zu versorgen. Aber es kam auch hier alles etwas anders als gedacht.

Kai und Katharina hatte es richtig erwischt. Die beiden lagen krank im Bett und konnten nicht in der Werft anwesend sein. Also lief in der heutigen modernen Zeit alles über unser Mobiltelefon. Kai und Oli waren im regen Austausch per Whatsapp. Bilder wurden verschickt und zum Teil Videos erstellt. Kai stellte Ferndiagnosen und so arbeiteten wir uns Schritt für Schritt vor. An dieser Stelle: Vielen Dank für diese gute Unterstützung.

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Bläschen und noch mehr Bläschen

Da uns am Bootsrumpf immer mehr kleine Bläschen auffielen war schnell klar, dass diese Stellen alle vom Lack und der Grundierung befreit werden mussten. Also liefen wir zum Baumarkt, deckten uns mit Masken und Stechbeiteln ein und los ging es.

Der Stechbeitel, unser neuer Freund und Helfer

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Knapp 3 Tage haben wir dann mit dem Stechbeitel und der Flex in der Hand verbracht, zwischendurch die Dusche besucht um uns wieder erkennen zu können und sind am Ende des Tages ohne warme Küche tot müde ins Bett gefallen.

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Ich weiß, wer viel arbeitet muss auch ausgewogen essen. Nur das gestaltete sich mitten auf der Werft ziemlich anstrengend. Und auch die Stechmücken machten das Ganze nicht einfacher. Essen mit einer Hand zubereiten, weil man die andere dazu benötigt um sich die kleinen surrenden Flieger vom Leib zu halten ist nicht ganz so amüsant. Somit musste ein schnell zubereitetes Vesper reichen.

Farbe, Farbe, Farbe

Nach diesen schmutzvollen Tagen, an denen ich mir manchmal nicht sicher war, ob Oli noch da ist oder wer sich unter dieser braunen Schicht verbirgt, ging es weiter.

oli_schmutzig_flexWir ließen uns Farbe liefern, genauer gesagt einen Primer der gleichzeitig als Grundierung dient und nun begann meine Aufgabe: Abkleben und Farbe anbringen und zwar an allen Stellen an denen der blanke Stahl heraus blitzte. Ich startete voller Elan und muss zugeben, dass mir diese Arbeit doch sehr gut gefiel. Kurze Zeit später fiel mir aber auch auf, dass immer eine Seite des Bootes in der Sonne war und die sticht mit ihren 30 Grad hier ordentlich vom Himmel. Trotzdem konnte ich meine Arbeit zu Ende bringen, bis Oli mir mitteilte, dass wir für einen besseren Schutz das Ganze wiederholen sollten. Ein bisschen hatte ich ein Déjà-vu vom Kistenpacken und startete aufs Neue.

primer

Die Sonne fiel vom Himmel und ich muss sagen, Sonne weg, stock dunkel. Aber ich war noch nicht fertig. Was nun? Oli leuchtete mit der Taschenlampe und unter Rekordzeit strichen wir zu Ende, da uns nebenbei die Moskitos ärgerten.

Los geht’s mit Anti Fouling

Am Montag ließen wir unsere Stützen umsetzen und Oli durfte erneut schleifen. Verdammt, wieder der ganze Dreck. Anschließend strichen wir Kolonne. Ich begann mit dem Primer und Oli strich im Anschluss das Anti Fouling. Dieses muss aufgetragen werden, solange der Primer noch etwas klebrig ist, damit es gut haftet. Aus grau-silber wurde allmählich rost-rot. Peu à peu. Am Ende des Tages war eine Seite geschafft.

Ach ja, Anti Fouling wird gestrichen, dass sich am Bootsrumpf nicht so viele Muscheln ansiedeln. Diesen Prozess wiederholt man optimaler Weise jährlich, da die Wirkung mit der Zeit nach lässt.

So gestaltete sich auch der Dienstag. Einmal vorstreichen bitte und dann das Anti Fouling. Anschließend tauschte ich meine silberne Walze gegen eine Neue und half beim Anti Fouling streichen.

Die Aufgabe lautete ganz einfach: Anti Fouling wird gestrichen bis der Eimer leer ist. Ich kann euch nicht sagen, wie viele Liter es waren, aber ich weiß, dass ich auf dem Eimer ein Warnzeichen gefunden habe: Attention, heavy > 25 Kilogramm. So drehten wir uns noch am Tag darauf im Kreis. Nein, wir liefen hin und liefen her. Der Tag begann früh. Oli strich die Steuerbordseite und ich die Backbordseite, again and again. Wir schafften es 3-mal oben herum und das Ruderblatt und den Kiel sogar 4-mal. Jetzt wollte ich keine Farbe mehr sehen. Wir lagen sehr gut in der Zeit und pünktlich zur Mittagspause konnten wir die Walzen zur Seite legen.

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Ein ruhiges Ende

Wir erfuhren, dass wir erst am nächsten Tag wieder zu Wasser gelassen werden und konnten so die letzten Aufgaben ganz in Ruhe erledigen. Es gab noch ein paar Stellen zum Abkleben, an denen neue weiße Farbe aufgetragen werden musste. Zudem nutzten wir die Zeit um im nahegelegenen Supermarkt nochmal ordentlich aufzuproviantieren und alles zu verstauen. Wir möchten ja so langsam die Segel setzten und los ziehen…

Zurück an unserer Boje

Heute, am 22. Oktober sitzen wir nach einer langen Wartezeit (immer mit der Ruhe, jeder Mensch braucht seine Arbeitspausen) endlich wieder in unserer Bucht.

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Doch lasst mich noch einmal Bezug zum Anfang der Werftzeit nehmen. Da war die Geschichte mit dem Abspritzen… Vor dem Kranen ging es ans Bezahlen. Da stand ja tatsächlich auf unserer Rechnung, dass wir mit dem Dampfstrahler gereinigt wurden. Und separate Wasserkosten, obwohl wir nie einen Wasseranschluss hatten, wurden uns auch verrechnet. Da legten wir aber ganz schnell ein Veto ein, worauf wir die Antwort erhielten: Aber ohne Abspritzen und vor allem ohne Wasser geht das alles doch gar nicht. Die Verblüffung und die Irritation war groß. Und ich weiß zwar nicht wie wir es geschafft haben, aber ich weiß, dass wir es ohne geschafft haben.

Der Sprung ins Wasser und die erste warme Mahlzeit seit einigen Tagen machten den Tag heute perfekt. Bevor es allerdings in eine etwas ruhigere Bucht geht gibt es noch ein paar Dinge zu erledigen, aber das lest ihr hoffentlich im nächsten Artikel.

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Anekdoten nebenbei

Die Crew neben uns in der Werft arbeitet derzeit an einem großen Projekt. Der Boots-Besitzer baut ein historisches Segelboot nach, das sein Vater gezeichnet hat. Es war total interessant sich mit einzelnen Personen dieser Crew zu unterhalten und so einiges über deren Lebensläufe zu erfahren.

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Die Erzählungen und das Herzblut das in diesem Projekt steckt ist außergewöhnlich und in französischen Gewässern etwas Einzigartiges. Wir werden dieses einzige historische Monument außerhalb Zentralfrankreichs online weiterverfolgen. Le Toumelin soll auch Schulklassen als Unterrichtsplattform dienen. Wir finden dieses Projekt sehr spannend. Interessiert es euch auch, dann schaut doch einfach mal auf Le Toumelin.

12 Kommentare

  1. Ihr seid wirklich spitze. Hab aber nichts anderes erwartet. Ich kenne euch ja. Jetzt viel Spaß mit dem neuen Rumpf und gute Fahrt. Ich freue mich schon auf den nächsten Blog. LG Ernst

  2. Hallo Herr Muschner,

    vor dem Vergnügen kommt die Arbeit, der Ihr ja nun in vollen Zügen genießen konntet, aber es geht vorbei, zum Schluß ist man doch sehr Stolz vom Ergebniss
    welches man sieht.:-)
    Weiterhin viel Genuß und nicht das Fischen vergessen.

    Grüsse aus dem Wahnsinn

    Rainer Mambrey

    • Hallo Herr Mambrey,
      ja jetzt sind wir schon echt froh wieder im Wasser zu sein.
      Was das Fischen angeht, so haben wir noch ein paar kleinere Punkte am Boot zu erledigen bevor es dann rausgeht.
      Ich hoffe ich kann Ihnen dann bald auch mal ein Bild von meinem Fang schicken (wenn er denn nicht zu groß für das Bild ist;-))
      Viele Grüße und frohes Schaffen.

  3. Hy Oli und Sandy, ihr seid ja schon voll im Abenteuer angekommen! Das mit dem Unterboden Schutz ist bestimmt wie ein Eigenheim zu renovieren. Das schweisst euch bestimmt mit dem Boot zusammen und später auf See habt Ihr ein gutes Gefühl was die die Farbe unter Wasser betrifft. Übrigens gegen Malaria Mūcken hilft Gin Tonic. Viel Spaß noch beim Boot pimpen ;-)) Gruß Lucky

  4. Hi ihr Wagemutigen.
    Man glaubt es ja kaum. Wieviel Arbeit ein Bett machen kann, bevor man die Matratze reinlegen kann.
    Mir ist aufgefallen, dass man bei der Aktion ein paar Angelschnürre mit Haken an den Rumpf hätte anbringen können, dann wäre die erweiterte Speisekammer mit Nachfüllautomatik auch gleich installiert gewesen.🤣
    Aber was man nicht alles machen muss, bis der Spass losgehen kann.
    Wie sieht denn der Ausblick aus? Ich meine nicht den Korb im Top, sondern wie es weiter geht.
    Grüsse aus Halli Galli
    Stina und Stefan
    P.S.: Ich habe noch keine Möglichkeit gefunden, wie man hier ein Bild oder einen Chlip anhängen kann.

    • Derzeit befinden sich Bakterien im Wasser und wir können nicht baden. Wir liegen noch an unserer Boje. Es wird noch ein Solarpanel montiert, ein paar kleine Reparaturen vorgenommen und wir bekommen einen neuen Herd. Danach werden uns die Wirbelstürme hoffentlich in Ruhe lassen und wir ziehen los…

  5. Hey Oliver und Sandra, heute hatte ich die Muse Euern Bericht zu lesen. Schön wie entspannt Ihr an das ganze ran geht. Es ist jetzt ja schon eine Weile her dass Ihr gestartet seit und ich bin jetzt so gespannt wie Ihr , wie’s weiter geht. Ab jetzt werde ich öffters reinschauen. In Oberschwaben ist die Obsternte beendet und der Moscht fängt an zu kluckern. Es sind sonnige Tage, gut geeignet zum radeln und wandern. Nur Corona schränkt uns mehr oder weniger ein.
    Ich wünsche Euch guten Wind von der richtigen Seite mit lieben Grüßen Mgt

    • Hallo Margret! Schön, dass du Zeit hattest um zu lesen, es freut uns von dir zu hören.Und schön, dass die Arbeit mit dem Obst erledigt ist für den Moment. Lass es dir gut gehen und bleib gesund.

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