Einmal um die Welt mit Hilfe der Passatwinde

Jeder der sich ein bisschen mit dem Segeln auskennt hat es wahrscheinlich schon einmal gehört: Das Wort „Barfußroute“. Ohne sich weiter mit dem Thema auszukennen lässt diese Namensgebung schon in etwa vermuten, worum es geht: Es handelt sich wohl um eine Segelroute die barfuß gesegelt werden kann.

Was genau dies bedeutet, was dabei beachtet werden muss und von welchen Illusionen man sich nicht trügen lassen darf findet ihr in diesem Artikel.

Wie auch bei vielen anderen Themen gibt es auch bei diesem Thema nicht eine Wahrheit, sondern verschiedene Möglichkeiten, die je nach Zeitrahmen, Crew, Startpunkt und Vorlieben umgesetzt werden können.

Crews die die Barfußroute wählen, um einmal die Welt zu umsegeln nutzen die für Segler angenehmen achterlichen Passatwinde. So entfällt das ständige Aufkreuzen gegen den Wind. Oft besteht die Möglichkeit die Segel zu setzten und diese Segelstellung mit nur kleinen Änderungen während einer Überfahrt beizubehalten. Man umsegelt hierbei in knapp 3 Jahren die Erde von Ost nach West.

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Wetterverhältnisse und vorherrschenden Winde

Passatwind

Wie bereits erwähnt nutzt man bei der Weltumsegelung auf der Barfußroute die Passatwinde. Diese wehen ungefähr zwischen 15 und 20° Grad geografischer Breite rund um die Erde.

Unterschieden wird zwischen dem Nordost- Passat auf der Nordhalbkugel und dem Südost-Passat auf der Südhalbkugel.

Der jeweilige Name sagt aus, aus welcher Richtung vorherrschend die Winde wehen. D.h. nördlich des Äquators weht der Wind meist aus Nord-Ost, südlich somit aus Süd-Ost.

Direkt um den Äquator zwischen diesen Passatzonen befindet sich die sogenannte Innertropische Konvergenzzone, in der meist Windstille herrscht. Dieser Bereich wird somit von Seglern bestmöglich gemieden. Um einiges lieber werden die mittelmäßigen, recht konstanten Passatwinde genutzt.

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Meist Tropische Regionen

Hinzu kommt, dass man sich meist in tropischen und subtropischen Regionen aufhält, in denen warme Temperaturen vorherrschen und auch das Wasser von angenehmen Temperaturen geprägt ist.

Respekt vor Wind und Wetter bewahren

Allerdings darf bei all diesen idyllischen Vorstellungen nicht vergessen werden, dass man sich dennoch auf dem offenen Meer befindet, Wind und Wetter ausgeliefert ist und auch der ein oder andere Squal und das ein oder andere Gewitter sicherlich nicht ausbleiben werden.

Hurrikane

Auf der gesamten Strecke kommt man immer wieder in Gebiete in denen zu bestimmen Jahreszeiten Hurrikane vorherrschen. Aus diesem Grund ist es wichtig, seine Reise so zu planen, dass man gewisse Gebiete entweder rechtzeitig verlassen oder sein Boot Hurrikan-sicher machen kann. Eine Auflistung, wann in welchen Gebieten Hurrikane Saison ist, findet ihr weiter unten.

Gemeinsames Reisen

Heutzutage wählen viele Crews die Barfußroute, um sich eine Auszeit zu nehmen, Segelerfahrung zu sammeln, sich einer Herausforderung zu stellen, oder Ähnlichem. Darum kann es passieren, dass man auf seiner Reise immer wieder den gleichen Seglern begegnet. So bleibt genug Zeit zum Austausch ähnlicher Erfahrungen.

Komplett gleiche Reiserouten werden allerdings selten gewählt, da jedes Schiff individuell ist. Die Rumpfgeschwindigkeit, das Verhalten bei Stark- bzw. Schwachwind, weitere Eigenschaften der Yachten und auch die Vorlieben und Herangehensweisen verschiedener Crews machen es schwierig komplett gemeinsam unterwegs zu sein.

Teilweise nutzen die Crews aber ihren Funk oder das Satellitentelefon, um auch während der Überfahrten regelmäßig in Kontakt zu bleiben und sich eventuell bei Schwierigkeiten unterstützen zu können. Und es gibt einem ja schon einmal ein gutes Gefühl, zu wissen, dass sich doch das ein oder andere Boot auf der weiten offenen See in der Nähe befindet.

on-the-way

Die Route

Ganz grob kann man sagen, dass die meisten europäischen Crews den Weg von Europa Richtung Kanaren oder sogar bis zu den Cap Verden wählen, um dann den Atlantik Richtung Karibik zu überqueren. Anschließend geht es weiter Richtung Panamakanal über die Galapagos Inseln durch die Südsee nach Neuseeland oder Australien. Anschließend segelt man durch den Indischen Ozean bis nach Afrika.

barfussroute

Ursprünglich wählte man den Weg durch den Suez Kanal zurück ins Mittelmeer. Da sich heutzutage die Piraterie stark ausgebreitet hat wählen die meisten Crews den Weg um die Südspitze Afrikas zurück in ihren Heimathafen bzw. zu ihrem Endziel.

Für wen ist die Barfußroute geeignet?

Das Segeln auf den Blauwasserrouten dieser Welt bietet sich für jedermann bzw. jederfrau an, der gerne Zeit auf einer Segelyacht verbringt, angenehme Temperaturen bevorzugt und individuelle Orte besuchen möchte. Egal ob als Einhandsegler, als Crew von einer Größe von 2 Personen, als größere Crew, als Familie mit kleinen Kindern oder als wechselnde Crew, hier ist alles möglich.

Vertrautheit mit der Materie Segeln

Natürlich muss man sich vor so einem Trip mit der Materie Segeln auskennen. Dennoch gehören die Gebiete der Barfußroute mit zu den Segelrevieren, die auch Segelanfänger mit Herz und Verstand, guten Vorbereitungen, regelmäßigen Wetterrecherchen, guter Ausrüstung und einer sicheren Yacht gut meistern können.

Atlantiküberquerung mit der ARC

Die ARC (Atlantic Rally for Cruisers) findet einmal im Jahr statt. Bei dieser Regatta ist das Ziel die Atlantiküberquerung. Dabei wird zwischen Fahrtenseglern, die oft wenig Erfahrung im Langfahrtensegeln haben und eine Weltumsegelung auf den Blauwasserrouten starten und den Regattaseglern unterschieden. Gestartet wird in Las Palmas auf Gran Canaria mit dem Zielhafen Rodney Bay auf St. Lucia in der Karibik. Gestartet wird Ende November und das Ziel erreicht man passend zu Weihnachten.

Für die Langstreckensegler bietet die ARC eine gute Möglichkeit der Atlantiküberquerung in einer Gemeinschaft und mit professioneller Unterstützung. Viele Crews finden so für sich heraus, ob ihnen das Langstreckensegeln liegt, welche Herausforderungen man als Crew bewältigen muss und welch positive Überraschungen der Atlantik mit seinen Sonnenauf- und Untergängen für einen zu bieten hat.

Strecke und Zeit

Die Streckenabschnitte der Barfußroute können klar definiert werden. Was die benötigte Zeit für die jeweilige Überfahrt angeht, können nur ca. Angaben gemacht werden. Diese ist immer auch abhängig von der Windstärke, vom Wetter, von den Eigenschaften des Bootes, von der Kurswahl, der Vorstellungen der jeweiligen Crew und weiteren Faktoren.

Die Reise geht los…

September: Im September sollte man sich auf den Weg Richtung der kanarischen Inseln machen, um rechtzeitig (mit oder ohne ARC) die Atlantiküberquerung (knapp 3000 Seemeilen) starten zu können.

Ende November: Atlantiküberquerung von den Kanarischen Inseln oder den Cap Verden aus

Ende Dezember: Rechtzeitig zu Weihnachten erreichen die meisten Crews nach knapp 3000 Seemeilen eine der karibischen Inseln Antigua, St. Lucia oder Martinique der kleinen Antillen. Jetzt kann bei knapp 30° Grad bei einem Rumpunch angestoßen werden.

Nun bleibt Zeit für eine individuelle Reiseplanung. Wer sich welche Insel anschauen möchte, bleibt ihm und den jeweiligen Einreisebedingungen und Bestimmungen selbst überlassen.

Februar/ März: Weiter geht es im Februar/ März, bevor die Hurrikane-Saison in den Kleinen Antillen losgeht, mit knapp mehr als 1000 Seemeilen Richtung Panamakanal.

Nach der Durchfahrt durch den Panamakanal befindet man sich im Pazifik. Von dort aus liegen knapp 4000 Seemeilen bis zu den Marquesas vor einem.

Die Route führt meist über die atemberaubenden Galapagosinseln, die sich knapp unterhalb des Äquators rund 1000 Seemeilen vom Panamakanal entfernt erstrecken und mit ihrer vielfältigen Tierwelt überzeugen.

Juni: Auf den Marquesas angekommen geht es ungefähr im Juni rund 800 Seemeilen südöstlich nach Tahiti.

Juli: Von dort aus angekommen liegen ca. 1800 Seemeilen bis zu den Fidschi Inseln vor einem. Diesen Weg nimmt man sich im Juli vor.

November: Ende des Jahres im November segelt man von den Fidschi Inseln aus etwas mehr als 1000 Seemeilen nach Neuseeland.

Hurrikan-Saison überbrücken

Meist verbringt man den Neuseeländischen Sommer und die damit verbundene Hurrikane Zeit an einem sicheren Ort, am besten im Trockendeck oder in einem sicheren Hafen.

Nach dieser Überbrückungszeit trennen sich die Wege:

  1. Weg

Mai: Man wählt im Mai den Weg über Noumea bis nach Darwin im Norden Australiens (ca. 2200 Seemeilen).

Ende September: Von dort aus geht es Ende September Richtung Norden nach Phuket, was ca. 2500 Seemeilen beträgt. Anschließend geht es weiter über Sri Lanka bis zu den Malediven (1500 Seemeilen).

Februar: Nun wählt man im Februar den Weg durch den Suez Kanal. Suez erreicht man nach ca. 3000 Seemeilen und bis nach Gibraltar sind es nochmals 2000 Seemeilen.

  1. Weg

Wer zwecks der sich immer mehr ausprägenden Piraterie lieber den Weg um die Südspitze Afrikas wählt, tut dies meist auf folgendem Weg:

Mai: Man wählt im Mai den Weg über Noumea bis nach Darwin im Norden Australiens (ca. 2200 Seemeilen).

Juni: Von Darwin aus segelt man im Juni 2200 Seemeilen westlich Richtung der Kokosinseln.

Juli: Von dort aus geht es im Juli ein paar Grad nördlicher über Chagos nach Madagaskar (3500 Seemeilen).

September: Von dort aus sind es im September knapp 2000 Seemeilen bis zur Südspitze Afrikas.

Jetzt stehen einem mehrere Möglichkeiten offen, je nach Zielhafen.

Februar: Im Februar geht es Richtung St. Helena und von dort aus sternförmig in die jeweilige Zielrichtung.

Es besteht die Möglichkeit ca. 4000 Seemeilen über Brasilien in die Karibik zurück zu segeln, oder den Weg von St. Helena Richtung Norden zu den Azoren zu wählen (knapp 5000 Seemeilen).

Indonesien

Wer auch bei diesem Weg nicht auf den indonesischen Raum verzichten möchte, sollte sich gut überlegen, ob er nicht ein Jahr dranhängt. So kann man ganz in Ruhe die doch um einiges mehr Seemeilen bereisen.

Insgesamt benötigt man für eine Weltumsegelung auf der Barfußroute unter Berücksichtigung der Wetterbedingungen knapp 3 Jahre. Wer zwischendurch gerne noch an einigen Orten verweilen möchte, wird seine Reise um (mindestens) ein Jahr verlängern. Und das ist schon vielen Langstreckenseglern so ergangen…

Zubringer zu den Passatrouten

Es gibt auch verschiedene Zubringer zu den Passatrouten und für individuelle Vorlieben bleibt auch immer etwas Spielraum. Aus diesem Grund handelt es hier nicht um ein Richtig oder Falsch. Es wird lediglich die Barfußroute dargestellt, die von den meisten Fahrtenseglern genutzt wird.

Wichtig ist und bleibt bei einer solchen Reise die Wetterfenster immer im Blick zu behalten und nichts zu riskieren. Naturgewalten haben uns schon immer beeindruckt aber uns auch schon immer gezeigt, wer der Stärkere ist. Eine solche Reise muss unserer Meinung nach auf jeden Fall mit Kopf und Verstand durchgeführt werden, sie muss gut geplant sein und einige Regeln müssen befolgt werden. Dann kann man nur noch sagen: Setzt die Segel und auf zu Neuen Ufern!

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