105 San Cristobal de las Casas

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Hallo zusammen, ja neues Jahr aber wir sind dennoch noch in Mexico unterwegs. Wie ihr euch hoffentlich noch erinnert waren wir letztes Mal gemeinsam im Canyon in Tuxtla von wo aus wir uns heute nach San Cristobal de las Casas aufmachen.

Auf nach San Cristobal de las Casas

Wie so oft geht es auch dieses Mal mit dem Bus zu neuen Zielen. Allerdings liegt San Cristobal de las Casas wieder auf 2100 Meter über dem Meer, so dass der Weg zwar nicht zu lang, dafür aber entsprechend kurvig ist. Und kaum angekommen, schon fällt der Charme der Stadt über mich herein, denn trotz seiner Größe fühlt es sich immer wieder sehr heimelig und fast etwas nach Dorf an. Auf jeden Fall sehr schön!

Stadtbesichtigung

Ein Angebot, welches ich immer öfter gerne annehme, sind die „Free Walking Tours“ welche es in fast jedem größeren Ort gibt. Klar sind die Infos zu den Orten immer echt interessant und es ist klasse zu erfahren wo man was unternehmen kann, doch es ist nicht nur das. Es ist für mich auch immer wieder spannend, welche interessanten Menschen ich bei diesem Touren treffen darf. Dieses Mal z.B. zwei deutsche Jungs, welche gerade mit dem Fahrrad von Alaska nach Patagonien unterwegs sind. Also Tipp für euren nächsten Urlaub wo auch immer, versucht es einmal;-)

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Park in San Cristobal de las Casas

Was für mir bei der Historie von San Cristobal de las Casas besonders imponiert hat, ist dass sich die Stadt in der Vergangenheit mit großen Anstrengungen und Kämpfen gegen die großen Lebensmittelkonzerne durchgesetzt hat.

Somit findet man in San Cristobal de las Casas auch heute noch das ursprüngliche Korn, welches in vielen handwerklichen Betrieben verarbeitet wird. Dazu fällt mir nur ein Wort ein „Saulecker“ (ja jetzt musste ich es wohl zusammenschreiben…)

San Cristobal de las Casas

San Cristobal de las Casas selbst war für mich sehr schön um etwas durchzuschnaufen. So machte ich den ein oder anderen Spaziergang durch die Stadt, entdeckte einen französischen Bäcker mit leckeren Schokocroissants, viele schöne Parks und Weinstuben mit Livemusik und natürlich auch einige Märkte im weihnachtlichen Stil.

Umgebung

Doch die Gegend von San Cristobal de las Casas ist nicht nur für den Ort selbst bekannt. Es gibt mit Zinacantán und Chamula zwei Nachbarorte, welche ebenfalls sehr bekannt sind.

Zinacantán

Prinzipiell ist die Gegend rund um San Cristobal recht arm was man auch bei einem Besuch schnell erkennen kann. Es gibt jedoch Highlights welche man gesehen haben sollte. In Zinacantán ist das sowohl der riesige Blumenmarkt. Auch wenn man es auf den Bildern nicht erkennen kann, hier sieht es nicht nur klasse aus, sondern es duftet auch entsprechend.

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Auf dem Blumenmarkt in Zinacantán

Ein weiterer bekannter Punkt ist die handgefertigte Kleidung, welche es oftmals zum Kaufen gibt. Ja und so passiert es auch, dass man oft von Kindern dazu aufgefordert wird mit Ihnen nach Hause zu kommen und sich ihre selbstgemachten Arbeiten anzusehen.

Ich habe hier bewusst auf Bilder verzichtet, aber lasst es mich so sagen. Es war wieder einmal ein Punkt an dem mir deutlich wurde welches Glück ich habe in Deutschland geboren zu sein und nicht schon als Teenager hoffen zu müssen dass jemand etwas kauft damit es abends was vernünftiges zum Essen gibt… 

Chamula

Wie Zinacantán liegt auch Chamula in einer ärmlicheren Gegend, das Highlight hier ist jedoch die Kirche. Wer jetzt denkt, klar Kirch, viel Gold und Verzierungen liegt hier falsch, denn in dieser Kirche wird der katholische Glauben stark mit dem alten Maya Glauben der Tzotziles vermischt.

So befinden sich in der Kirche nicht nur keine Bänke. Die Gläubigen knien dort auf dem Boden und entzünden hunderte Kerzen (also jeder von ihnen). Glaubt mir, ihr könnte euch nicht vorstellen, welche Atmosphäre die aber tausenden Kerzen in dieser Kirche erzeugen.

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Die Kirche von Chamula

Doch es sind nicht nur dir Kerzen, ebenso ist auch der Maya-Glaube der notwendigen Reinigung, welcher sehr stark vorhanden ist.

Aus diesem Grund werden in der Kirche die Gläubigen in Zeremonien mit Rauch und Tannenwedeln von ihrer Verschmutzung befreit. Da diese allein teilweise nicht ausreicht, kann es auch notwendig sein, dass die Gläubigen ein lebendes Huhn mit in die Kirche bringen, welches dann dort für Ihre Reinigung geopfert wird…

Ebenso entspricht es dem Glauben der Mayas, dass durch das Fotografieren der Geist gestohlen wird, weshalb ich euch leider keine Bilder aus dem Inneren der Kirche zeigen kann, sprich hier müsst ihr wohl selbst einmal vorbeikommen.

Ja diese Kirche ist ein sehr interessanter Ort, ich bin dort sicher 2-3h einfach nur dagesessen und habe geschaut was um mich herum passiert und glaubt mir. Es gab immer noch etwas Neues zu entdecken.

Beim Verlassen der Kirche

Als ich mich dann auf den Weg machte und aus der Kirche herausging, hörte ich in der Ferne Sirenengeheul und Schüsse. Ja und zuerst dachte ich etwas erschrocken, oh was ist denn jetzt los.

Aber nein es war nicht das Erwartete, sondern rund 100 Gläubige welche sich in einem Konvoi auf dem Weg zur Kirche befanden. Ja und wie es sich so gehört, setzt man auf dem Weg natürlich durchgehend das Martinshorn ein und verschießt selbstgebaute Raketen und Böller. Ihr könnte es euch bestimmt schon vorstellen, ja ich musste dann gleich nochmal umdrehen und schauen was die so in der Kirche machen. Dieses Mal war es dann deutlich musikalischer aber auch sehr interessant.

Temazcal

Ja und wo wir gerade schon beim so einem Thema sind, dann kommen wir doch gleich zum Temazcal. Das Temazcal ist eine Art Sauna oder Dampfbad, welches ebenfalls aus der alten indigenen Zeit stammt. Wie ihr euch vermutlich schon vorstellen könnt, habe ich die Möglichkeit bekommen an einer solchen Temazcal-Zeremonie teilzunehmen.

Das Temazcal ist dabei eine Art Zelt welches mit schweren Decken verkleidet ist. Durch diese Decken bleibt die Wärme später nicht nur im Innern erhalten, sie schaffen dort auch eine komplette Finsternis. Die Grundidee dahinter ist es einen Ort zu schaffen, welcher der Zeit im Bauch der Mutter nachempfunden ist…

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Vor dem Temezcal-Zelt

Nachdem dann alle im Zelt Platz genommen haben, wir reden hier von bis zu 60 Personen, werden Rasseln und andere Musikinstrumente verteilt und es geht los. Nun werden große Steine aus einem nahen Lagefeuer entnommen und in die Mitte des Zelts gelegt.

Der Leiter der Zeremonie (Bei uns würde man sagen der Aufgussmeister) stimmt einen Gesang an, bei dem alle mitmachen und nebenher gießt er immer wieder Wasser auf die Steine. Dabei steigt die Temperatur bis auf nahezu 100°C.

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Das große Lagerfeuer der Abuelos, in welchem die Steine erhitzt werden.

Ok so weit so gut, dachte ich. Denn der größte Unterschied zur bekannten Sauna ist, dass man den Durchgang nicht nach 10-15 Minuten beendet. Das Ziel ist es während der kompletten Zeremonie, also für 2-3 Stunden im Zelt zu bleiben.

Puh, genau das dachte ich erst und wusste nicht so richtig wie ich das aushalten soll. Das ging bis zu einem Punkt an dem ich aufhörte gegen die Hitze zu anzukämpfen und von da an, war es wirklich ein einmaliges und interessantes Erlebnis.

Es geht weiter

Nach dem Temezcal ging meine Zeit in San Cristobal de las Casas vollends schnell zu Ende, so dass es wieder an der Zeit war weiterzuziehen. Was mir in San Cristobal de las Casas besonders gefallen hat, war sicher die Ruhe und familiäre Ausstrahlung, die dieser Ort innehat. Doch als nächstes warten die Ruinen von Palenque auf mich und dieses Mal bin ich nicht alleine unterwegs.

Ja ihr habt richtig gelesen, wie es der Zufall so will, verlässt Paul, ein irischer Backpacker gemeinsam mit mir das Hostel. Doch das ist nicht alles, er hat zudem auch zufällig den gleichen Bus und als nächstes das gleiche Hostel gebucht. Für uns war daher schnell klar, die nächste Etappe gehen wir gemeinsam an. Was es da alles zu erleben gab, das erfahrt in dann im nächsten Blog.

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2 Kommentare

  1. Lieber Oli
    Du legst ja im Neuen Jahr richtig schwungvoll los. In San Cristóbal de las hat es angenehme 20 Grad und Sonne, bei uns frostige minus 8 Grad! Bemerkenswert finde ich an Deinem Bericht die Feststellung wie gläubig und mystisch die Menschen dort sind. Der Glaube ist bei Vielen von uns verloren gegangen und damit auch ein Stück Hoffnung. Vielleicht rührt ein Teil der Unzufriedenheit auch her, der in unserer Gesellschaft stetig über Hand nimmt.
    Gruß Günther

    • Hallo Günther,
      ja der Glauben ist eine sehr interessante Sache. Insbesondere finde ich es echt spannend wenn mir Leute erzählen was Ihnen der Glauben alles gibt und das unabhängig davon um welchen Glauben es sich handelt. Ich selbst bin ja nicht zu tief im Glauben (zumindest in dem religiösen) verankert, bin allerdings der Meinung dass, sobald dich der Glaube zu einem besseren Menschen macht, du dort genau richtig bist. Wie auch immer der aussehen mag.

      Es freut mich immer sehr, deine Sichtweise zu Themen zu lesen. Vielen Dank dass du den Blog damit bereichert hast!

      Liebe Grüße
      Oli

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