065 Macedonia im Amazonas

Ja, ich glaube mehr und mehr daran, dass das Leben schon weiß was es mit einem vorhat. Hierzu habe ich aktuell ein sehr spannendes Buch gelesen. Ein der Kernaussagen des Buches war, dass sich die richtigen „Chancen“ fast automatisch ergeben, solange man seinen Herzen folgt, bereit ist seine Komfortzone zu verlassen und das tut was einem selbst guttut. Ich denke meine Begegnung mit Joan gehört zu dieser Art „Chance“.

Wie am Ende des letzten Blogs erwähnt, spürte ich nach den ersten Eindrücken des Amazonas, dass ich gerne mehr davon sehen und erleben würde. Ebenso habe ich euch schon von der überraschenden Nachricht von Joan erzählt, mit welchem ich letztendlich vereinbarte, dass wir uns um 15:00 Uhr in Puerto Nariño treffen und uns dann gemeinsam auf zu seiner Heimat Macedonia machen.

Treffen in Puerto Nariño

Wie vereinbart wartete ich zur vereinbarten Zeit am Hafen, doch die Zeit verging und nachdem eine Stunde später noch niemand da war, dachte ich schon, dass er mich versetzt hat.

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Warten am Hafen von Puerto Nariño

Um kurz nach 5 erhielt ich dann jedoch doch noch eine Nachricht in der Joan schrieb, dass es ein paar Probleme mit dem Motor und kein mobiles Netz gab, er und sein Freund David jetzt jedoch da sei.

Nach einem kurzen Kennenlernen und dem Einkaufen der für mich notwendigen Sachen, hieß es dann Ablegen. Aufgrund der Uhrzeit starten wir gleich mit einer rund 2h abenteuerlichen Nachtfahrt im Kanu mitten auf dem Amazonas.

In Macedonia angekommen, wurde ich zuerst mit den Bräuchen, den wichtigsten Regeln, sowie meinem Zimmer vertraut gemacht bevor ich erschöpft und mit sehr vielen neuen Eindrücken zu Bett ging.

Angelausflug auf die Dschungelinsel

Nach unserem gemeinsamen Frühstück ging es am nächsten Morgen gleich los. Das Ziel war eine rund 10km lange „Dschungelinsel“ mit vielen Flüssen und Seen mitten im Amazonas, auf welcher wir uns im Angeln versuchen wollten. Nach rund 1h Bootsfahrt hieß es dann ab in den Dschungel, in welchem wir dann zum ersten See gelangten. Ja und siehe da, wir hatten gleich Erfolg.

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Erster Fang auf der Dschungelinsel

Doch in den Gewässern gab es nicht nur Fische, nach einiger Zeit kamen wir an Gewässer mit den bekannten Victoria Riesenseerosen. Wie man sagt verfügen diese Blätter über so viel Auftrieb, dass ein Blatt sie bis zu 50kg tragen kann!

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Joan beim Angeln im Victoria Seerosenfeld

Einige Stunden, viele Fischen und eine Flussüberquerung später, wurde es Zeit umzukehren. Hierbei standen wir nun allerdings vor dem Problem, dass Joan und ich auf der einen und David auf der anderen Seite des Flusses standen und es keine Möglichkeit zur Überquerung gab.

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Beim Balancieren über ins Wassergelegte Baumstämme

Nach einigem Suchen entdeckten wir ein kleines Kanu mit einem Loch und einige im Fluss liegende Bäume, woraus wir uns einen Übergang bauten. Wie sich allerdings herausstellte, sind die indigenen etwas leichter wie wir Europäer, wodurch meine Überquerung die Möglichkeiten eines Baumes krachend überschritt

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Nach einem kurzen Bad und einer schnellen Rettung hatten wir es letztendlich alle glücklich auf die andere Seite geschafft.

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Glücklich nach erfolgreicher Überquerung

Jetzt konnte unserem Nachhauseweg und zum verdienten Fischessen nichts mehr im Wege stehen.

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Belohnung für den Fangerfolg, im Bananenblätter gegrillte Fische

Maloca Barü

Am nächsten Tag frühstückten wir zuerst auswärts, wodurch ich wieder einige typische Speisen probieren durfte.

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gegrillte Kochbanane mit Guave-Marmeladenfüllung

Anschließend machte ich mich mit Joan auf zum „Maloca Baru“. Hier führen die Indigenen ihre traditionellen Tänze auf und erklären ihre Traditionen für Besucher.

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Besuch des Maloca Baru

Am Nachmittag machten wir dann noch einen Ausflug mit David in den Dschungel, um dort die verschiedenen Pflanzen und Früchte zu erkunden.

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Freund und Führer David auf unserer Tour

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Nach all den Eindrücken wollte ich gerne auch etwas aus meiner Heimat beitragen, so dass ich abends noch geschabte Spätzle kochte. Es ist einfach schön wie unterschiedlich und doch gleich wir Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sind!

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Schwäbisch Küche trifft indigene Küche

Eine Nacht mit dem Jäger im Amazonas-Dschungel

Am nächsten Tag stand etwas ganz Besonderes auf dem Plan. Joan hatte mit Hoche, dem Jäger des Ortes vereinbart, dass wir Ihn eine Nacht in den tiefen Amazonas begleiten dürfen. Bevor es jedoch losgehen konnte, galt es alles für unser Nachtcamp herzurichten.

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Auf dem Weg in den Dschungel mit Hoche dem Jäger

Nach dem Mittagessen machten wir uns dann gemeinsam auf in Dschungel. Nach sehr eindrucksvollen 3-4h Wanderstunden erreichten wir ein kleines Platon mitten im Dschungel, welches den Namen „Platz des Tigers“, trägt und sich perfekt für unser Basiscamp eignete.

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Riesige Urwaldbäume, in diesen wohnen Kobolde, weshalb man die Bäume auch nicht fällen darf!
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Unser Basiscamp

Nachdem wir alles aufgebaut hatten, wurde es Zeit Holz für das Feuer zu sammeln über dem wir das heutige Abendmahl grillten und den Geschichten von Hoche lauschten, bevor wir uns wieder aufmachten.

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Grillen mitten im Amazonas

Hoche hatte uns bereits erzählt welche gefährlichen Tiere es hier im Dschungel gibt, dennoch wollte er uns den Amazonas und seine Schönheit und Tierwelt auch bei Nacht zeigen.

Und ja, er hatte vollkommen recht, insbesondere die Eindrücke an Geräuschen welche ich in dieser 3h Nachttour erleben durfte waren atemberaubend und für mich wohl unvergesslich.

Nachts mit dem Fischer auf der Dschungelinsel

Abschließend zu meiner Zeit in Macedonia gab es dann nochmals ein Highlight und zwar ging es nochmals auf die Insel im Amazonas. Dieses Mal gingen wir jedoch gemeinsam mit einem Fischer um dort eine Nacht zu verbringen.

Kaum angekommen schlugen wir auch hier unser Lager auf und begannen mit dem Feuerholzsuche, während der Fischer schonmal eine Runde mit seinem Netzt drehte und dass mit Erfolg.

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Unser Abendessen, 7 verschiedene Amazonasfische

So gab es dieses Mal 7 verschiedene Amazonasfische, welche grillten und dann aus Blätter aßen.

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Am nächsten Morgen ging es dann wieder ab nach Macedonia von wo aus ich mich wieder auf den Weg Richtung Leticia machen wollte. Dies war jedoch anfangs gar nicht so einfach, da es in Macedonia nur bei gutem Wetter und etwas Glück eine Internetverbindung gibt. Diese brauchten wir jedoch, um einen Platz auf dem Boot für mich reservieren.

Rückkehr nach Leticia

Nach erfolgreicher Reservierung ging es dann für mich schweren Herzens zurück nach Leticia. Vielen Dank an alle Macedonier und insbesondere an dich lieber Joan, dass ihr mir diese Erfahrungen ermöglich habt!!!

Zurück in Leticia, und somit wieder zurück in der Zivilisation war es an der Zeit sich nach neuen Zielen umzuschauen. Da ich zum einen sehr viel positives von Cali gehört und die Stadt zum anderen noch nicht besichtig habe, war das neue Ziel schnell gefunden.

Da es aktuell jedoch nicht einfach war einen passenden und bezahlbaren Flug zu finden, habe ich mich dazu entschlossen den einzigen günstigeren Flug an Heiligabend zu nehmen. Durch diesen Flug blieben mir noch ein paar Tage in Leticia.

Schamane im Dschungel

Zum einen wollte ich diese Tage dazu nutzen um die vielen Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten. Zum anderen habe ich den Tipp erhalten, dass es im Dschungel einige Kilometer außerhalb einen von Leticia einen sehr guten Schamanen geben soll.

Da mich die vielen positiven Berichte insbesondere der Einheimischen von den Zeremonien sehr neugierig machten, entschloss ich mich dazu dem Schamanen William einen Besuch abzustatten.

Dies stellte sich allerdings als schwieriger heraus aus gedacht, da William seine Maloca (so heißt das heilige Haus der indigenen) mitten im Dschungel hat. Durch die vielen Regenfälle der letzten Tage war der Weg dorthin derart überflutet, dass ich bei mehr wie kniehohem Wasser umdrehen musste.

In diesem Moment dachte ich schon, dass es mit dem Besuch wohl leider doch nichts wird. Doch wie es der Zufall will, traf ich auf dem Rückweg jedoch einen Mann auf der Straße. In einem kleinen Gespräch erzählte er mir, dass ich William zwar nicht per Telefon oder so erreichen kann, er jedoch gerade hier im Dorf sei. Ja zum Glück hatte ich noch nicht aufgegeben und meinem Plan William zu treffen weiterverfolgt.

Zwei Tage später war es dann soweit, dass ich an einer der nächtlichen Zeremonien teilnehmen durfte. Ich muss sagen, die Einheimischen hatten nicht übertrieben denn es war in der Tat ein sehr interessantes und auch tiefgehendes Erlebnis.

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Mein Besuch beim William dem Schamanen

Weihnachten

Weihnachten begann für mich mit einem Frühstück in einem nahegelegenen Cafe. Da hierbei einige Kinder vorbeikamen um nach etwas Geld oder Essen zu fragen (dies ist in Kolumbien leider nichts außergewöhnliches) entschloss ich mich dazu im nächsten Supermarkt einige Süßigkeiten zu kaufen und den Kindern in die ärmeren Bereichen einen Besuch abzustatten. Wie auch schon in der Vergangenheit war es für mich wieder erstaunlich wieviel Freude man oft auch schon mit kleinen Sachen bereiten kann!

Auf meiner Wanderung wurde ich dann allerdings etwas überrascht, inzwischen kenne ich die kolumbianischen Essgewohnheiten zwar schon etwas, mit einem Spanferkel, welches an der Straße zum Frühstück verkauft wird, hatte ich allerdings nicht gerechnet.

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Spanferkel zum Frühstück in Leticia

Auch wenn es nicht mein erstes Weihnachten im Ausland ist, so hatte ich es bisher doch noch nie am Flughafen verbracht. Es war jedoch sehr schön zu sehen, dass dort alle in weihnachtlicher Stimmung waren.

Aber klar, in diesen gewohnten familiären Momenten mach sich schon etwas Heimweh bemerkbar, doch dank des Zeitunterschiedes konnte ich bei meiner Zwischenlandung in Bogota ein bisschen Weihnachten per Videocall mit der Familie zuhause feiern.

weihnachtlicher_videocall
Videocall vom Flughafen

Die nächtliche Ankunft in Cali, welche als die Hauptstadt des Salsa gilt, klappte anschließend auch vollends super. Was es dort alles zu erleben gibt erfahrt ihr im nächsten Blog.

Bevor ich jedoch zum Ende komme, wollte ich mich auf diesem Weg gerne bei euch für die vielen Rückmeldungen, Kommentare, Gespräche, Tipps, Unterstützung und vieles mehr bedanken. Es freut mich nicht nur jedes Mal von euch zu hören, auch der Austausch zu verschiedensten Themen ist für mich immer sehr interessant und bereichernd. Es ist einfach schön, dass es euch gibt und wir den Kontakt trotz der Distanz so gut halten können!

Abschließend wünsche ich noch „ein gesundes neues Jahr“. Anstelle von irgendwelchen guten Vorsätzen schließe ich heute mit den Worten von Ernst Ferstl: „Wir brauchen viele Jahre bis wir verstehen, wie kostbar Augenblicke sein können.

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4 Kommentare

  1. Lieber Oli,
    „Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeiten in kleinen Dingen.“ (Wilhelm Busch)
    Ich wünsche Dir im neuen Jahr viele glückliche Momente.
    Günther

  2. Hola Amigo Oli.
    Muchas gracias por tu visita a nuestra tierra y a nuestra casa. Gracias por compartir tu tiempo y por tu amistad.
    Te deseo éxitos en todo ti trayecto.

    • Hola David,
      muchas gracias por mostrarme tanto! Fue realmente una gran experiencia para mí. ¡Espero volver a verte algún día y ya estoy deseando que llegue!

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