024 Sail away

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Samstag Vormittag, 20. März, Spanish Water

Nun war es endlich so weit. Nachdem wir nach Sonnenaufgang unser Dingi auf dem Vorschiff verstaut, die Leinen für die Segel klar gemacht und weitere Kleinigkeiten erledigt hatten, ging es los.

Bernd uns Beate saßen beim Ablegen auf ihrem Vorschiff und schwenkten für uns die Deutschlandflagge. Nachdem Bernd uns auch noch ein kleines Stück mit seinem Dingi zur Laguneneinfahrt, für uns in diesem Fall Ausfahrt, begleitet hatte wurde es uns auch bewusst: Die Reise geht jetzt weiter. Und einige Tage auf dem Wasser liegen nun vor uns.

Sonnenschein und mäßiger Wind

Wir hatten einen tollen Tag erwischt mit Sonnenschein, mäßigem Wind und kaum Welle. Trotzdem entschieden wir uns nur einige Seemeilen entlang der Küste von Curacao Richtung Norden zu segeln und eine letzte Nacht vor Anker in der Santa Kruz Baai zu verbringen. So konnte ich uns noch etwas zu Essen für die nächsten Tage vorbereiten und wir konnten noch einmal einige Stunden am Stück schlafen.

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Der Hauptgrund dafür war allerding die Landspitze von Columbien. Hier pfeift der Wind oft wie verrückt und auch über 35 Knoten sind keine Seltenheit. So wollten wir diesen Streckenabschnitt mit möglichst wenig Wind bewältigen. Laut Wettervorhersage war es besser noch eine bisschen zu warten und dann mit einem guten Wetterfenster los zu segeln.

Ausgeschlafen und los geht’s!

Am nächsten Morgen starteten wir ausgeschlafen noch vor Sonnenaufgang.

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Zu Beginn war der Wind relativ schwach und wir überlegten den Spinnaker zu setzen. Kaum war der Sack an der Fall nach oben gezogen frischte der Wind auf. Also entschieden wir das Segel wieder herunter zu nehmen und gegen die Fock zu tauschen. Aber kaum war der Sack mit dem Spi wieder an Deck lies der Wind wieder nach. So ein bisschen veräppelt kamen wir uns da schon vor.

Wir entschieden uns für eine ruhige Seglerei mit der Fock. Und es war die richtige Wahl. Der Wind wehte mit 12 bis 15 Knoten und es gab kaum Welle. Wir kamen gut voran und der Anfang unseres Törns lief wie am Schnürchen.

Wie es weiter ging…

Es gibt nicht viel zu erzählen. Unsere Schichten legten wir wie gehabt. Immer im 3 Stunden Takt wurde gewechselt. Und auch bei Schichtwechsel lief alles wie gehabt. Weckte ich Oli, kam jedes Mal die Frage: Kann ich noch 5 Minuten? Kam Oli und fragte mich, ob ich nun zur Schichtübergabe aufstehen möchte erhielt er kontinuierlich die gleiche Antwort: Nein!

Das habe ich schon im Kindergarten gelernt: Wer eine Ja/Nein Frage stellt muss auch die Antwort akzeptieren. Ich bin dann doch aufgestanden. Es wurde bei jedem Schichtwechsel ausgetauscht, ob andere Schiffe in Sicht sind, welche Windverhältnisse vorherrschen und weitere besondere Vorkommnisse. So langsam wird es zur Routine.

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Wie verbringt man den Tag?

Und auch tagsüber war nicht viel los. Oli las ein Buch oder checkte das Wetter über den Kurzwellenfunk. Ich hörte Musik, kochte uns Essen oder schlief. Und so ging es dahin.

Als wir an Aruba vorbei kamen hatten wir tatsächlich nochmal für ein paar Minuten Handyempfang und konnten noch 2-3 Fotos senden. Und anschließend testete Oli mit Bernd, der auch ein Amateuerfunker ist, die Wellen. Und tatsächlich, es funktionierte. Sie verstanden sich zwar nicht zu 100%. Man hätte an der verzerrten Stimme auch nicht erkennen können ob Bernd oder Mickey Maus am anderen Ende sitzt, aber die Botschaften konnten ausgetauscht werden.

Und da war sie wieder… Die Seekrankheit!

Mir ging es mittlerweile nicht mehr ganz so gut. Ich war fest davon überzeugt die Seekrankheit überlistet zu haben. Aber mittlerweile war ich so weit, dass ich im Cockpit stand und schrie: Holt mich hier raus! Aber keiner hörte mich. Und auch Oli wollte mich nicht mit den Beinen am Mast fixieren und kopfüber in die Wellen halten, wie Fred es in seinem Kommentar vorgeschlagen hatte.

Aber er hatte Erbarmen und übernahm sogar einen kleinen Teil meiner Nachtschicht. Er wollte es als Überstunden schreiben. Ich bin gespannt ob mich diese Seekrankheit noch finanziell ruiniert. Ich war nämlich nicht in der Lage das Gehalt im Vorfeld zu verhandeln.

Neuer Morgen, neues Glück

Die Segelei lief gut. Wir segelten mal mit 4-5 Knoten und mal mit 5-7 Knoten kontinuierlich voran. Und auch die Welle war angenehm. Vor dem Sonnenuntergang setzten wir ein kleineres Segel und bei Sonnenaufgang je nach Windverhältnissen wieder ein Größeres. Mittlerweile haben wir das alles schon recht gut im Griff und die Abläufe sind eingespielt.

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Nanu?

Aber dann, damit hatte keiner gerechnet. Nach dem Segelwechsel wollten wir gemeinsam Abendessen und den Sonnenuntergang ansehen. Allerdings hatten sich die Angeln ineinander verheddert und Oli machte sich an die Arbeit dieses Wirr Warr wieder zu lösen. Aber dann, na nu?

Ein Wahoo! Da hing doch tatsächlich ein Wahoo am Haken. Und wir hatten ihn erst gar nicht wahrgenommen. Das war ein toller Tagesabschluss, da an diesem Tag bereits zwei Köder samt Fisch im Meer verschwunden waren.

wahoo

So verbrachten wir den Sonnenuntergang mit filetieren und Eintüten toller Fischstücke.

Am nächsten Morgen musste der Fisch verarbeitet werden. Es gab natürlich ein kurz gebratenes Filet und panierte Wahoo-Stücke. Zudem kochte ich uns ein paar Gläser ein. Mal sehen wie sich der Wahoo als Fischdip oder Curry macht.

Blinde Passagiere und große Tanker

Ansonsten vergingen die Tage wie im Flug. Immer mal wieder kamen ein paar blinde Passagiere an Bord. Die Vögel vom Himmel, die fliegenden Fische vom Wasser, aber weiter geschah nichts.

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Immer mal wieder hieß es Obacht auf die großen Tanker zu geben. Zum Glück haben wir immer jemanden der Wache hält, ich weiß manchmal nicht, was sie auf der Brücke dieser großen Dampfer so treiben. Und plötzlich machte er keine Anzeichen mehr aus zu weichen, sondern hielt direkt auf uns zu. Leider musste ich Oli während seiner Freischicht wecken.

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Nach mehrfachem Anfunkgen stellte sich im Funkgespräch heraus, dass wir keine Sorge haben sollen und ob wir das Boot an seiner Backbordseite sind. Er sieht uns ja schließlich auf seinem Radar. Was wir beobachten konnten ließ uns anderes vermuten. Nach dem Funkgespräch änderte er seinen Kurs plötzlich rapide um nahezu 90°. Ob er uns nicht vielleicht doch übersehen hatte? Nunja wir haben die Gefahr ja frühzeitig erkannt. Mit so einem gewaltigen Dampfer möchten wir uns ungern anlegen.

Die Müdigkeit macht sich bemerkbar

Die Seekrankheit wurde langsam besser. Die Müdigkeit nahm dafür zu. Und auch der Wind frischte auf und die Welle wurde höher. So waren wir froh ein gutes Wetterfenster genutzt zu haben und konnten dennoch relativ entspannt segeln. Ein zusätzlicher Wecker diente uns als Sicherheit bei der Nachwache.

Spielende Fische bei Nacht

Als sich das Meer komplett beruhigt hatte. Der Mond über uns stand und ein Nebel vor über der Wasseroberfläche lag plätscherte es plötzlich um unser Boot herum. Immer wieder sprang etwas aus dem Wasser und vom Cockpit aus konnten wir Flossen im Wasser sehen. Ob das vielleicht Delphine waren? Wir wissen es nicht. Wir konnten aber beobachten, dass diese Lebewesen großen Spaß hatten und somit hatten wir ihn auch.

Sonnenschein und Angellaune

Mit der Sonne kamen auch wieder die Angeln ins Wasser. Oli freute sich riesig über seinen Wahu, aber (habe ich mir von Anglern sagen lassen) er war wohl noch nicht groß genug. Und schon hörte man die Angelschnur surren.  Nach einem extremen Drill und viel Kraftaufwand stand nach fast 1 Stunde ein Sieger fest.

drill

Ich schreibe nur was ich zu hören bekam: Sch…, leck mich am A… Ich denke jeder weiß wer das Duell gewonnen hat. Aber der Köder war noch da. Und wer weiß was da für ein großes Tier am Haken hing. Vielleicht ist es besser, dass es nicht im Cockpit gelandet ist.

Panama in Sicht

Nach diesem Erlebnis kam Panama so langsam in Sicht. Wir hatten schon einige Stunden zuvor gerechnet, dass wir mindestens 7 Knoten Fahrt machen müssten, um noch bei Tageslicht in Colon einzulaufen. Das war uns dann doch etwas zu viel und wir entschieden mit kleinem Vorsegel zu segeln, um die Nacht zu überbrücken.

Der Plan war es bei Sonnenaufgang anzukommen. Der Wind allerdings hatte etwas dagegen. Er frischte auf und wir waren zu schnell. So suchten wir uns eben doch bei Mondschein einen Weg durch die vielen Frachter.

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Alles klappte gut und wir warfen gegen 3 Uhr den Anker im Ankerfeld vor dem Hafen. Überall liegen wartende Schiffe, die den Panamakanal queren möchten.

Wir haben nach Ankunft noch ein kühles Bier auf Dirk getrunken. Es sind zwar nicht die besten Fotos, dafür war es eins der besten Biere! Danke hierfür!

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Im Hafen

Wir haben heute Vormittag das Schiff entsalzt, Segel und Leinen verstaut und uns am Quarantänesteg einem Coronatest unterzogen. Nach dem Erhalt des negativen Ergebnisses durften wir in eine Box umsiedeln. Wir wären gerne bis zum Einklarieren am Montag vor Anker gelegen.

Dies ist derzeit aber nicht so sehr erwünscht und auch der Dingi Dock ist geschlossen. So machen wir jetzt eben etwas ganz verrücktes und tauschen für kurze Zeit unsere Duschflasche gegen eine Dusche.

Sonst werden wir uns die Tage mal umsehen und uns bald wieder mit ein paar Fotos melden.

Was es sonst noch zu sagen gibt

Wer sich fragt von was wir uns auf der Überfahrt ernähren. Hier der Beweis:

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Spaß beiseite. Diese Dinge dienen uns zum Überleben. Nebenbei kochen wir auch. Immer dem Wellengang und der Schräglage angepasst. Wobei wir den „Pinguingang“ durch das schaukelnde Schiff bereits echt gut beherrschen.

Delphine haben wir vielleicht gesehen. Bei Tageslicht waren sie leider nicht da. Aber man muss dazu sagen, dass das Wetter in Küstenähe Panamas nicht gerade toll war. Ich kann sie da schon verstehen, dass sie lieber unter Wasser geblieben sind.

An alle Frauen unter uns: Kauft dem Mann ein Schiff! Ganz egal ob groß oder klein! Seit unserem Reisestart beobachte ich immer wieder Crews die das Schiff putzen. Und es bietet sich mir immer ein ähnliches Bild:

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Ich sehe da keine Frau. Ihr etwa? Achja, NSYNC läuft und sie singen und jubeln dazu. Mehr schreibe ich jetzt einfach nicht dazu und wünsche euch einen schönen Tag!

12 Kommentare

    • Hallo Günther,
      vielen Dank.
      Auch wir wünschen euch frohe Ostern und hoffen, dass ihr zumindest im kleinen etwas feiern könnt.

      Viele Grüße

  1. Echt spannend eure Überfahrt nach Panama, ich hoffe dass ihr die Seekrankheit in den Griff bekommt . Bei uns ist der Frühling eingekehrt und wir hoffen auf höhere Temperaturen. Grüße von Renate und und Gerhard

    • Aber Hallo ihr 2,
      schön von euch zu hören!!!
      Was die Seekrankheit angeht so ging es bei Sandra ab dem 2-3 Tag zum Glück deutlich besser.
      Ich selbst hatte bisher glücklicherweise nur sehr wenig Probleme.

      Schön zu hören dass es bei euch inzwischen auch warm wird.
      Wir liegen aktuell noch in einer Marina mitten im Regenwald (mit Affen in den Bäumen und so).

      Viele Grüße
      Oli

  2. Ahoi Ihr Zwei!
    Es ist immer wieder spannend über Eure Erlebnisse zu lesen und schön zu wissen dass es Euch gut geht.
    Liebe Grüße und weiterhin gute Fahrt!
    Simone

    • Hey Simone,
      schön von dir zu lesen und freut uns dass dir unsere Berichte gefallen.
      Auch wenn wir natürlich (leider) auch nicht nur den ganzen Tag entspannen und genießen können so geht es uns dennoch echt gut,
      wir hoffen euch auch?

      Liebe Grüße an alle
      Sandi & Oli

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