Panama, dort begann meine Reise und dort habe ich später auch Oliver kennengelernt, der mir erzählte, er wolle von Panama nach Mexiko segeln.
Wer ist Philipp?

Eigentlich hatte ich grob andere Pläne, Panama und anschließend Mittelamerika zu bereisen, aber ich hatte vorher auch schon häufiger darüber nachgedacht mal zu Segeln und so war ich mir recht schnell sicher, dass sich Pläne auch manchmal ändern sollen und ich mit Oli nach Mexiko segeln würde.
Kurz zu mir: Ich bin Philipp, 20 Jahre alt, komme aus Berlin und ich habe Ende November letzten Jahres meine Backpacking-Reise durch Panama bzw. Zentralamerika gestartet und heute möchte ich über unser kleines gemeinsames Segelabenteuer berichten.
Das erste Treffen

Es ist Montag Abend, ich habe noch ein paar letzte Sachen in meinem Hostel erledigt und war gegen 20 Uhr mit Oliver am Dock in Isla Amador von Panama City verabredet. Ich stand schon unten mit all meinen Sachen und bald kam auch schon Oli mit dem Dinghy zum Dock gefahren.
Und so ging das erste kleine Abenteuer los, durch die Wellen vom Dock zum Segelboot, welches für die nächsten paar Wochen mein neues Zuhause sein würde. Beim Boot angekommen richteten wir noch schnell alles ein und dann ging es auch ziemlich bald schon in die Horizontale.
Abfahrt
Und nur wenige Tage später, nach ein paar letzten Einkäufen, Reparaturen am Boot und dem ganzen Papierkram bei der Migration und dem Portkapitän, sind wir am Donnerstag der gleichen Woche auch schon direkt losgesegelt.
Motor an, Anker hoch und raus aufs offene Meer, direkt unter Begleitung von einer ganzen Schule Delfine an den ganzen Containerschiffen vorbei, die darauf warteten durch den Panamakanal zu kommen.

Und schon sehr bald hieß es: „Segel setzen!“ und wir waren auf dem Weg nach Otoque, der nächsten kleineren Insel nach Taboga. Nach nur wenigen Stunden waren wir auch schon angekommen und haben dort für eine Nacht geankert, um am nächsten Tag dann direkt weiter in Richtung Santa Catalina, was fürs Surfen sehr bekannt ist, zu segeln.

Auf nach Santa Catalina
Gleichzeitig sind wir dabei auch das erste Mal durch die Nacht gesegelt, also hieß es abwechselnd schlafen und Wache halten. Häufig waren wir dadurch mittags immer ziemlich müde, aber dafür gab es dann immer mal wieder tagsüber einen Mittagsschlaf, denn Zeit hat man auf dem Boot auf jeden Fall reichlich.

Während der Überfahrt nach St. Catalina hat auch das erste Mal ein Fisch, ein Bonito, an unserer Angel angebissen, den ich dann mit Olis Hilfe ausnehmen und filetieren durfte.

Wow, der hat ja mal so richtig lecker geschmeckt! Ich war eigentlich nie ein Fan von Fisch oder Meeresfrüchten, aber so ganz frisch aus dem Meer schmeckt Fisch auch einfach noch mal ganz anders. Hätte ich nicht gewusst, dass es Fisch ist, hätte ich es vermutlich auch eher für Steak gehalten.
Was die viele Zeit angeht, so hatten wir via Starlink auch Zugang zu Internet und dennoch fand ich schnell noch schönere Wege mich auch offline zu beschäftigen. Ich habe viel gelesen, Gitarre gespielt, Zauberwürfel gelöst, Oli und ich haben unsere ersten Runden Dame gestartet und ich habe Postkarten geschrieben, die ich in Panama City noch gekauft hatte.

Parallel dazu habe ich über Hostels in St. Catalina schon nach Leuten gesucht, die gegebenenfalls meine Postkarten mit nach Deutschland zur Post nehmen könnten und tatsächlich habe ich auch eine andere Deutsche gefunden, die meine Post dann für mich mitgenommen hat.
St. Catalina

Nach einem ausgiebigen Pfannkuchen-Frühstück an unserem letzten Tag dort, ging es auf zu einer kleinen Wanderung auf Isla Santa Catalina.

Anschließend war es auch schon wieder Zeit die Segel in Richtung Westen zu setzen. Jetzt hieß es auf nach Cohiba und Golfito in Costa Rica, kurz hinter die Grenze zu Panama.
Auf nach Costa Rica

Bei der Offshore-Überfahrt nach Costa Rica musste ich dann zum ersten Mal so richtig feststellen, dass ich doch nicht ganz so seefest bin, wie ich es mir erhofft hatte…
Also erstmal für eine Weile den Blick auf den Horizont fokussieren und etwas hinlegen und die Augen schließen. Und tatsächlich hat es nicht lange gedauert und mir ging es wieder deutlich besser. Also bei viel Wind und besonders bei viel Welle, kein Lesen oder Ähnliches mehr und einfach mal die Augen schließen und die Ruhe des Ozeans fühlen und genießen.
Ruhe und gleichzeitig auch viel Zeit zum Nachdenken hatte ich auf dem Boot genug und hatte es aber auch nötig… Später wusste ich sehr genau, dass das genau das war, was ich brauchte!
Golfito in Costa Rica

In Costa Rica konnten wir dann unsere Vorräte wieder etwas auffüllen und bald ging es von Puerto Jimenez auch schon wieder weiter entlang der Küste Costa Ricas bis wir nach etwa einer Woche durchgehendem Segeln unseren letzten Stopp in Coco, Costa Rica erreichten. Dies sollte unser letzter Stopp sein bevor wir nonstop nach Mexiko durchsegeln.

Playas del Coco, Costa Rica

In Coco, bzw. Playas del Coco hatten wir am ersten Tag an Land eine riesige Pizza. Am nächsten Tag erkundeten wir die Gegend noch mit einer kleinen Wanderung.

Bei unserer Rückkehr trafen wir genau richtig zum Umzug des traditionelles Volksfest mit Cowboys auf Pferden und Bullenkämpfen ein!

Gleichzeitig haben wir in Coco auch nochmal die nötigsten Vorräte auffüllen können, bevor es auch schon wieder direkt weiter in die nächste Bucht ging.
Nach nur einer Nacht Ankern, eröffnete sich für uns bereits ein Wetterfenster durch die gefürchteten Papagayo Winde, so dass wir am nächsten Morgen direkt entlang der Küste Nicaraguas straight in Richtung Mexiko lossegelten.
Auf nach Mexiko

Die ersten Tage entlang der Küste Nicaraguas haben direkt mit sehr viel Wind und noch dazu gefühlt doppelt so viel Wellengang begonnen, so dass es meinem Körper dann ganz schnell nicht mehr so gut ging… Nachdem wir den Rest der Pizza aus Coco mit viel Knoblauch zum Mittagssnack hatten, ging es mir aber auch schon wieder viel besser.
Am nächsten morgen hat Oli mich, nach einer langen Nacht Segeln, geweckt. Der Grund, wir hatten Besuch von einer besonders großen Delfinenschule. Neben den Delfinen schwamm auch immer mal wieder eine Schildkröte vorbei und als Highlight sprang ein Wal.
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Um den Tag vollends perfekt zu starten bereitete ich anschließend “gebrannte Haferflocken”, ein Familienrezept aus der Jugend meines Vaters zu. Die gebrannten Haferflocken lösen bei mir immer eine Kindheitserinnerung an mein Zuhause aus.

Ich konnte auch Oli schnell von den gebrannten Haferflocken begeistern und so gab es diese noch mehrere Male in den nächsten Wochen.
Die Hürden der Überfahrt
Auf See gingen die Tage und Nächte wie von selbst vorüber, wobei das Gefühl für die Zeit mehr und mehr verschwand. Leider verschwand jedoch nicht nur das Gefühl für die Zeit, sondern mit ihr auch gleich der Wind. Und so kam es, dass wir etwa auf der Höhe Honduras feststellen mussten, dass der Sturm nicht nur mir, sondern auch dem Getriebe nicht so gut bekommen ist.

Da wir nicht ausreichend Getriebeöl für eine Reparatur an Bord hatten stand schnell fest, dass wir bis Mexiko erstmal ganz ohne Motor auskommen müssten… Sprich, statt noch etwa einer weiteren Woche auf See, hat sich unsere Reisezeit erstmal auf unbestimmte Zeit verlängert. Insbesondere durch die sehr inkonstanten Winde und die vorhandene Gegenströmung traf die Beschreibung „unbestimmte Zeit“ hier wirklich zu!
Was bedeutete Segeln ohne Motor
„All-Inclusive“ -Segelabenteuer trifft es bis hierhin auf jeden fall ziemlich gut. So sind ein paar weitere Tage und Nächte vergangen, in denen wir auf Wind warteten, uns weiter die Zeit mit Dame und Popcorn vertrieben haben und manchmal sogar den Anker rauswerfen mussten, damit die Strömung uns nicht wieder dahin treibt, wo wir vor zwei Tagen erst waren. Es war eine sehr interessante Erfahrung einmal wirklich auf die Natur angewiesen zu sein und zu spüren wie unsere Vorfahren noch segelten und neue Welten erkundeten.

Je mehr Zeit verging, desto näher neigten sich unsere Vorräte auch so langsam dem Ende und umso leichter wurde auch abends stets die Frage, was wir uns zum Essen kochen sollten. Schon in den Tagen davor habe ich nach und nach wieder großen Appetit bekommen, mal wieder Fisch zu essen, und dementsprechend habe ich jeden Tag den Wunsch nach Fisch zum Abendessen geäußert, aufgrund ausbleibendem Angelglücks jedoch erstmal ohne Erfolg.
Das ging ein paar Tage so, bis das Universum oder Petri unser Wünschen scheinbar tatsächlich erhört hat. Denn eines Morgens als wir kurz vor der Grenze von El Salvador und Guatemala mal wieder auf mehr Wind gewartet haben und unsere Angel weiterhin leer blieb, bekamen wir unerwartet Besuch von zwei Fischern aus El Salvador.
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Diese saßen auf ihrem Boot, filmten uns ganz begeistert und schrien die ganze Zeit „Tik Tok“. Am Ende beschenkte uns der unerwartete Besuch nicht nur mit reichlich gefangenem Fisch, sondern verhalf uns auch zu überraschender Onlinepopularität. Unter “Pesca con el Gordo” (Fischen mit dem Dicken) sind wir auf Facebook ziemlich schnell mit über einer Millionen Aufrufe viral gegangen.
Im Anschluss an unseren Onlineauftritt haben uns in den nächsten Tagen und Wochen auch andere Fischer erkannt und begrüßt. So schnell wird man berühmt…
Und tatsächlich hat uns das Universum so sehr erhört, dass wir direkt am nächsten Tag einen riesigen Fisch (einen Bigeye Trevally) an der Angel hatten. So groß, dass wir da locker ein bis zwei Wochen dran gegessen haben.

Guatemala und das Getriebeöl
Da es mit dem Wind und der Gegenströmung zunehmend schwerer wurde und ein Sturm anstand hat es Oli organisiert bekommen, dass die Küstenwache Guatemalas uns das nötige Getriebeöl für unseren Motor beschafft. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle besonders nochmals an Luis E. Santos für deine Hilfe!
So kam es dann, dass wir ungeplant nach gut zwei Wochen auf dem Meer, das erste Mal wieder an Land gingen und zwar tatsächlich nur um das Öl abzuholen. In dem kleinen Ort angekommen stellten wir schnell fest, dass es außer der Küstenwache nur ein paar sehr spärliche Bambushäuschen gab. Die Begeisterung mit der uns die Leute empfingen und umrundeten, war für uns jedoch sehr beeindruckend.
Ab nach Mexiko
Wie es oft so ist, kaum hatten wir das Getriebeöl an Bord, brachten die folgenden Tage auch wieder mäßigeren Wind. Da der anstehende Sturm jedoch bereits kurz bevor stand, waren wir sehr froh, dass der Motor wieder funktionierte und wir den schützenden Hafen rechtzeitig erreichten.
Ankunft in Mexiko

Wir waren sehr froh, dass wir Puerto Chiapas/Madero vor dem Sturm erreichten, wobei hier bereits die nächste Überraschung auf uns wartete. Wie die News berichteten wurde just am Tag zuvor der gefürchtete Drogenboss El Mencho bei seiner Verhaftung erschossen. Was uns jedoch mehr Sorgen bereitete, waren die damit zusammenhängenden Meldungen, welche behaupteten, dass ganz Mexiko in Unruhen und Tumulte verfallen sei.
Ich machte mir hier erstmals größere Sorgen und suchte direkt etwas panisch nach Rückflügen nach Deutschland.
Tapachula
Die zur Neige gehenden Vorräte sowie unsere Neugier bezüglich der wirklichen Stimmung in Mexiko brachten uns in die nächste größere Stadt „Tapachula“. Und so geschah es, dass ich in Tapachula das erste Mal in meinem Leben mit echten Tacos in Berührung kam. Ja und was soll ich sagen, ich weiß jetzt warum alle immer davon Schwärmen und bin wohl auch in ihren Zauber verfallen.

Neben dem Einkaufen und Essen konnten wir uns in Tapachula auch ein eigenes, sehr beruhigendes Bild zur „Lage in Mexiko“ verschaffen. Nicht zuletzt dank diesem Tripp, war ich schnell deutlich beruhigter, so dass meine Entscheidung schnell feststand, dass meine Reise hier noch nicht direkt enden sollte.
Auf nach Huatulco
Nach einem Shoppingtrip in Tapachula gab es für uns die Möglichkeit direkt wieder die Segel zu setzen oder erstmal für eine weitere Woche im Hafen festzusitzen, denn der nächste Schlag nach Huatulco führte uns noch durch den für ihre starken Winde und hohen Wellen berüchtigte Golfo de Tehuantepec. Da wir lieber ankern, anstatt in der Marina zu liegen und die Marina nicht gerade die günstigste war, entschieden wir uns zur direkten Abreise.
Und so ging es nochmal für 3 Tage auf See nach Huatulco, wobei wir nochmal von Fischermannsglück heimgesucht wurden.

Huatulco

In Huatulco sind wir am Ziel unserer gemeinsamen Reise angekommen und fanden direkt auch einen schönen Ankerplatz vor der Marina. Die ersten Tage an Land verbrachten wir damit alle die leckeren Köstlichkeiten der mexikanischen Küche zu probieren, von denen wir schon seit Wochen träumten.

Zu guter Letzt sitzen wir gerade noch in einem Cafe und bringen die letzten Zeilen des Blogs online, bevor es nachher für mich wieder alleine weitergeht. Die kommenden Wochen sollen mich als Backpacker über den bekannten Surferspot „Mazunte“ nach Mexiko City führen, von wo aus ich vermutlich ende März wieder nach Deutschland zurück reise.
Mein Leben auf einem Segelboot

In diesem Sinne möchte ich abschließend noch sagen, dass ich sehr, sehr glücklich bin, diese Erfahrung des Segelns erleben zu dürfen!
Doch es ist nicht nur das Segeln selbst, für mich war es viel viel mehr. Es ist schwer zu beschreiben, doch es sind nicht nur die Erlebnisse der letzten sechs Wochen. Insbesondere ist es auch das was diese Zeit mit mir gemacht hat.
Ich hatte in dieser Zeit viele persönliche Höhen, Tiefen und Dinge auf dem Herzen zu liegen die ich verarbeiten musste. Dabei hat mir die viele Ruhe, die Zeit zum Nachdenken und auch die Nähe zur Natur und zur See sehr viel Klarheit gegeben. Darüber hinaus hat mir Oli als ein neuer sehr guter Freund in vielen Gesprächen und mit seinen Ratschlägen sehr geholfen. Hierfür möchte ich mich von Herzen bedanken!
Mein Fazit:
Mein Fazit: Egal ob ihr schon mal Segeln wart, gerne mal wollt oder auch noch am überlegen seid, ob es das Richtige ist. Was ich euch auf jeden fall mitgeben kann, ist dass so eine Segelerfahrung sehr viel mehr mit einem macht als man denkt.
Ich bin nach wie vor überrascht, was man dabei über sich selbst lernt. Am Ende geht es vielleicht gar nicht so sehr um das Segeln selbst, sondern viel mehr darum einmal mit sich selbst konfrontiert zu sein. Zeit zum Nachdenken zu haben und sich selbst wahrzunehmen. Auch war es sehr interessant Zeiten ohne Internetzugang zu haben und mich einfach mal mit mir selbst beschäftigen „zu müssen“.
Wenn es dafür einen perfekten Ort gibt, dann ist die große weite See sicher mit ganz oben auf der Liste.
Zu guter Letzt möchte ich dir lieber Leser für deine Zeit und dir Oli für dieses große und unvergessliche Segelabenteuer mit dir danken.

Auf Bald, euer Philipp







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