015 Die erste Überfahrt

ueberfahrt

Leinen los, auf nach Curacao!

Nachdem wir uns von unserem Freund Dennis verabschiedet hatten ging es von Mayreau nach Union Island. Die Bucht war ziemlich voll, also liesen wir unseren Anker auf 10 Metern Tiefe fallen. Eigentlich nicht unsere Ankertiefe, wir bevorzugen niedrigere Wassertiefen. Der Anker hielt dennoch einwandfrei und wir wollten ja hier nicht bleiben, sondern einfach nur kurz ausklarieren.

Ausreise ohne Pass-Stempel?

Oli zog los und ich blieb an Bord. Kurze Zeit später kam er wieder, aber ohne Stempel in unseren Pässen. Dafür mit ein paar Bananen und Kartoffeln im Gepäck. Was war passiert?

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Er musste 2 Behörden anlaufen: Einmal musste das Boot ausklariert werden, einmal musste er uns ausklarieren. Beide Behörden waren zwar im gleichen Gebäude untergebracht, allerdings machten sie nicht zur gleichen Zeit Mittagspause. Das hieß: Nochmal hinfahren und die Pässe stempeln lassen, bevor die Überfahrt nach Curacao beginnen konnte.

Das Leben ist kein Zuckerschlecken

Im Endeffekt kam Oli mit gestempelten Pässen aber auch 70 EC Dollar, umgerechnet ca. 25 Euro, weniger zurück. Wegen einem Tag hatten wir die Taxe für die nächsten 30 Tage bezahlen müssen. Hätte man das gewusst… Nunja, hätte gibt es nicht und so leben wir eben die nächsten Wochen nur von Brot und Wasser.

Spaß beiseite, wir haben dies gleich Susi und Tom mitgeteilt, dass sie wenigstens ihre Reise nach diesen Vorgaben richten können. Also hatte es doch etwas Gutes.

Die Seevagabunden

Schon vor der Überfahrt haben wir Kontakt zu Inge und Klaus aufgenommen, den Seevagabunden. Sie lagen lange Zeit in Curacao vor Anker und konnten uns wertvolle Tipps geben. So wussten wir schon ein bisschen, auf was wir uns in Curacao einstellen müssen. Vielen Dank hierfür.

Die Überfahrt geht los

Unter Genua und achterlichem Wind ging endlich die für uns erste größere Überfahrt los. Wir waren schon etwas aufgeregt und hofften, dass wir auch wirklich alles bedacht und vorbereitet haben.

windsteueranlage

Wer übernimmt welche Schicht?

Mit längeren Überfahrten sind wir derzeit noch nicht so eingespielt und müssen erst noch herausfinden, wer sich mit welcher Schicht wohl fühlt. So setzen wir eine 3 stündige Schichtdauer an.

Ich startete um 20.00 Uhr und Oli legte sich aufs Ohr. Leider musste ich ihn bereits um 22.00 Uhr wecken, da das Schaukeln der Wellen mich so müde machte und ich meine Augen kaum mehr offen halten konnte.

Aber kein Problem, wir sind ja beide flexibel. So sprang Oli ein und startete seine Schicht früher als erwartet. Meine 2. Schicht lief hingegen so gut, dass Oli etwas länger schlafen durfte.

nach-der-nachtschicht

Es machte großen Spaß die Sterne zu beobachten und es ist der Wahnsinn, wie viele Sternschnuppen am Himmel entlang fliegen.

Das ist die perfekte Welle

Oder auch nicht? Die Welle schaukelte sich mit den Tagen der Überfahrt immer mehr auf. Wir gehen von 2,5 Metern oder sogar etwas mehr aus. Das ist nicht weiter schlimm, die Welle kann ja schließlich nichts dafür, dass ich mir noch etwas schwer tue bei Schräglage etwas zu kochen, zu backen oder gar ein Buch zu lesen.

Beim Gang Unterdeck fühlte man sich wie wenn man den ein oder anderen Drink zu viel erwischt hat. Aber es machte uns beiden Spaß mal nur mit dem Meer allein zu sein. Ein ganz neues Gefühl, kein Land in Sicht zu haben.

Ui, Ui, Ui

Unser Schiff lief einwandfrei mit 6 bis 7 Knoten und brachte uns sehr gut voran. Wir versuchten nebenbei zu Angeln, was bei dieser Überfahrt aber leider nicht glückte. 3 Bisse an der Rute, aber kein Fisch wollte am Haken bleiben. Aber die nächste Chance kommt bestimmt.

koeder-angeln

Für Außenstehende wirkt es wohl etwas eintönig

So vergingen die Tage und wir spielten Karten, Oli las oder wir schliefen in unseren Frei-Schichten in unserem Mittelschiffs-Bett.

freischicht

Immer wieder kam ein fliegender Fisch an Bord um ein paar Duftwolken abzugeben (diese Tierchen stinken nach kurzer Zeit zum Himmel). Ansonsten genossen wir weiter den Sternenhimmel bei Nacht und das Rauschen der Wellen bei Tag.

Delphine wollten auf dieser Fahrt unseren Weg nicht kreuzen, dies bleibt noch so ein kleiner Traum von mir. Aber wer weiß, vielleicht wird sich auch dieser noch erfüllen und ein Schwarm begleitet uns ein Stück auf unserer Reise.

Tausch des Vorsegels

Da der Wind etwas stärker und böiger wurde als vorhergesagt, entschieden wir uns dafür, unsere Genua gegen das kleinere Schwerwettersegel zu tauschen. Oli, der Mann der Segel, übernahm diese Aufgabe.

Auf dem Vorschiff barg er das Vorsegel (wir haben ein Vorsegel mit Stagreitern. Das bedeutet, dass wir es nicht einfach wegrollen können, sondern vorne bergen müssen, um ein kleineres Segel setzen zu können) und setzte ein kleineres Segel.

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Ich muss schon sagen, das hat er gut gemacht. Bei Welle ist es nicht ganz einfach, sich gut auf dem Vorschiff zu bewegen. Aber natürlich hatte er sich auch gut gesichert. Unser Ziel ist es nicht, möglichst schnell, sondern möglichst sicher ans Ziel zu kommen.

Und plötzlich wurde es spannend

20 Seemeilen vor Curacao kamen dann diese Lichter von schräg hinten Steuerbord auf uns zu. Ihr denkt wahrscheinlich, was will sie denn damit sagen, aber bei Nacht eine Entfernung abzuschätzen ist verdammt schwierig. Da wir mit AIS ausgerüstet sind konnten wir allerdings schon bei in Sicht kommen die Daten des Schiffes erfragen.

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Sorry für das unscharfe Bild, leider hatte es doch etwas Seegang.

Ein Frachter der mit 11 Knoten Geschwindigkeit das gleiche Ziel wie wir verfolgte. Er wurde gut beobachtet und nachdem wir eine Kollision mit diesem Riese sicherlich nicht gewonnen hätten, funkten wir ihn an, ob er uns sehen kann.

Kaum hatte Oli den Funkknopf los gelassen kam schon die Antwort. Ein super netter Engländer teilte uns mit, dass er uns sehen kann und dass er seinen Kurs so ändern wird, dass er uns an unserer Steuerbordseite passiert. Er wünschte eine gute Reise und angenehme Nacht. Mit guter Geschwindigkeit hielt er sein Wort und wir konnten sogar seine Maschine hören.

Einlaufen in Spanish Water

Nach 92  Stunden segeln liefen wir in in Spanish Water in Curacao ein. In der Einfahrt, die etwas tricki und eng ist, kam uns ein voll beladener Katamaran mit lauter Musik entgegen. Winkend und lachend wurden wir empfangen, Touristen knipsten Fotos von uns, wie wir etwas übermüdet und bestimmt nicht gerade im attraktivsten Outfit uns auf die Untiefen in diesem Bereich konzentrierten und der einheimische Fahrer hieß uns herzlich willkommen.

Ankerplatz Suche

In Spanish Water angekommen schmissen wir den Anker. So ganz zufrieden waren wir mit der Ankerplatzwahl noch nicht. Und als Bernd, ein Deutscher Segler, uns noch zurief, dass in dieser Bucht 360° Grad Drehungen möglich sind, beschlossen wir, die Segel zu verstauen, alles Klar zu machen, das Dingi von Deck zu nehmen und uns einen besseren Platz zu suchen.

Etwas später legte vor Bernd und Beate ein Katamaran ab und schon hatten wir ein wunderbares Plätzchen gefunden. Bernd und Beate sind schon einige Jahre mit ihrem Katamaran unterwegs und liegen auch schon ein paar Monate in Spanish Water. Sie waren von Anfang an so lieb uns alles zu erklären und zu erzählen.

Einklarieren – ein Erlebnis für sich

Sie riefen uns sogar einen Taxifahrer, der uns zum Einklarieren nach Willemstad fuhr. Das gestaltet sich hier nämlich nicht so einfach. Man muss verschiedene Behörden in verschiedenen Ecken der Stadt anlaufen, um Einklarieren zu können. Aber mit Louis war das alles kein Problem.

Und auf dem Rückweg hielt er für uns sogar an einem Supermarkt. Wir sind immer wieder sehr dankbar was für liebevolle Menschen wir kennen lernen dürfen, wie man sich unter Seglern hilft und wie viel wir von den Erfahrungen anderen lernen dürfen.

Jetzt freuen wir uns auf ein paar gemütliche Tage und darauf, die Insel kennen zu lernen.

P.S.: Naja, Oli arbeitet schon wieder und befreit unseren Propeller von Muscheln und Algen. Ein Dank auch hier an Bernd und Beate für das Ausleihen der Tauchausrüstung.

propeller-frei-machen-von-muscheln-und-algen

8 Kommentare

  1. Hi ihr zwei.
    Es ist immer wieder interessant, wuren Bericht zu lesen.
    Das scheint ja eine tolle Marina zu sein. Auch der Ort verteilt sich und ist trotzdem sehr zugänglich.
    Schöne Insel!
    LG Steff

    • Hier gibt es für uns ganz neue Erfahrungen: Stadt und Zivilisation 🙂 Wir freuen uns auf die Zeit hier und hoffen, dass wir euch bald verraten können, wie die Reise weiter geht.
      Liebe Grüße aus Curacao!

  2. Hallo Ihr Beiden,
    Herzlichen Glückwunsch zu eurer erfolgreichen Überfahrt. Das klingt alles sehr spannend. Uns hat der Winter voll erwischt. Wir haben 40cm Schnee und Nachts -10°C. Viel Spass auf Curacao mit dem blauen Likör Viele Grüße aus Hasenweiler

    • Wow, genießt den Schnee und deckt euch warm zu! Uns hat der Wind in der Bucht verlassen, wir hätten ein paar Grad abzugeben 🙂
      Schön von euch zu hören, liebe Grüße an alle!

  3. Eure Geschichten sind sehr erfrischend, besonders da es bei uns zur Zeit nicht wirklich Action gibt. Curacao hört sich schon toll an. Bestimmt ist es wunderschön!
    Genießt die Tage und bleibt gesund.

    Viele Grüße aus Karlsruhe

    • Bon Dia! Danke für deine Nachricht. Wir lassen es uns echt gut gehen. Wir hoffen sehr, dass auch ihr eure Zeit bald wieder mit mehr Action verbringen dürft! Wir denken oft an euch!
      Viele Grüße nach Karlsruhe 🙂

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